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Deutschland, das größte Land Europas, steht vor einer Bundestagswahl. Dabei können die Deutschen zwar einen neuen Bundeskanzler wählen, was sie auch tun werden. Aber sie haben in Wahrheit keine echte Wahl. Sie haben keine Möglichkeit, sich so zu entscheiden, dass sie allen fünf Herausforderungen den Kampf ansagen könnten, die das Land bedrohen, obwohl das in allen fünf Fällen die Mehrheit der Deutschen eigentlich wollte. Diese fünf Gefahren bedrohen im Übrigen auch ganz Europa und nicht zuletzt das Nachbarland Österreich. Dennoch gibt es keine Regierungsperspektive, bei der alle fünf Wünsche der Bürger berücksichtigt würden.
Deutschland wird daher "alternativlos" künftig einen Bundeskanzler haben, der Friedrich Merz heißt. Und dieser wird "alternativlos" mit den Sozialdemokraten koalieren, obwohl diese in den letzten Jahren hauptverantwortlich für den Niedergang des größten Landes Europas (und damit auch indirekt seiner Nachbarn) gewesen sind. Das waren die Sozialdemokraten schon deshalb, weil in dieser Ampelkoalition das größte Unglück Deutschlands, also die Grünen, den Ton angegeben haben, und weil die Sozialdemokraten auch aus der Bundeskanzler-Funktion heraus diese bei ihren Amokläufen nie gestoppt haben.
Sollte das, was einst als "große" Koalition firmiert hat, nicht einmal die Hälfte der Mandate erreichen, werden Union und Sozialdemokraten dennoch "alternativlos" auch noch die Grünen mit ins Regierungsbett nehmen. Dass sie das müssen, ist gar nicht so unwahrscheinlich: Haben doch die beiden ehemaligen "Groß"-Koalitionäre zusammen bei allen Umfragen der letzten Zeit nur noch rund 45 Prozent. Das würde nur dann für eine Mehrheit reichen, wenn die kommunistische Linkspartei (zuletzt 4 bis 8 Prozent), die ideologisch ähnliche Liste Wagenknecht (4 bis 5 Prozent) und die FDP (4 bis 5 Prozent) alle oder großteils an der Fünfprozentklausel scheitern und auch über Direktmandate keinen Umweg in den Bundestag finden sollten.
Die einzige Zweiparteienkoalition mit sicherer Mehrheit wird hingegen nicht stattfinden, obwohl das von der Mandatsmenge wie auch von den programmatischen Überschneidungen her die weitaus stabilste Regierung wäre. Das wäre eine Kooperation der Union mit der AfD. Nur dieses Zweierbündnis hätte den Umfragen zufolge 50 Prozent oder mehr. Aber die Union ist wieder ganz auf die von den Linksparteien verfochtene Brandmauerpolitik gegenüber der AfD eingeschwenkt. Was in Österreich an Herbert Kickl gescheitert ist, scheitert in Deutschland an der Union.
Damit haben die Deutschen keine Chance auf eine Regierungspolitik, die sich in allen fünf zentralen Fragen kraftvoll für jene Ziele und Gesetze einsetzen würde, welche jeweils eine klare Mehrheit der Deutschen will und welche eindeutige Prioritäten sind.
In Summe gibt es also keine Chance, dass die Deutschen eine demokratische Perspektive zur Durchsetzung ihrer wichtigsten Anliegen hätten. Bis auf die Außenpolitik spricht alles für eine Kooperation zwischen den Unionsparteien und der AfD. Aber gerade diese Kooperation hat die CDU zuletzt wieder so energisch ausgeschlossen (ähnlich wie eine Kooperation mit den Kommunisten), dass sie nach dem Wahltag diesbezüglich nur unter schwerstem Gesichtsverlust eine Umkehr versuchen könnte.
Dabei wäre eine solche Umkehr eigentlich der Inbegriff eines demokratischen Kompromisses. Die Demokratie verlangt geradezu danach, dass die beiden stimmstärksten Parteien nach dem Wahltag miteinander verhandeln, dass die CDU also auslotet, ob die AfD auf ihrer prorussischen und antieuropäischen Position bestehen bleibt, was für die Union zweifellos inakzeptabel wäre. Aber nach einem Wahltag würde ohne solches Vorweg-Einbetonieren vieles anders aussehen als vorher. Und immerhin ist die AfD-Chefin Alice Weidel in Sachen Wirtschaft weit versierter als FPÖ-Chef Herbert Kickl, mit dem die CDU-Schwesterpartei ÖVP dennoch wochenlang über eine Koalition verhandelt hat, die dann nur an einer eher lächerlichen Frage gescheitert ist.
Ganz offensichtlich tragen aber auch die deutschen Wähler selbst schuld an dieser Entwicklung – sonst hätte die CDU nicht diese Haltung bezogen. Nach Umfragen ist mehr als ein Viertel der CDU-Wähler für die Beibehaltung der Brandmauer. Das ist zwar eine deutliche Minderheit, aber ihr Wegbrechen wäre für die Union dennoch fatal. Ganz offensichtlich hat die Dauerhetze der linken Parteien und Medien, dass die AfD in Teilen "rechtsextrem" wäre, ihre Früchte getragen und jenes CDU-Viertel beeinflusst. Daher wagen nur wenige CDU-Politiker davon zu sprechen, was für ein Unsinn die Brandmauer doch ist.
Diese Brandmauer sorgt nun dafür, dass immer eine Linkspartei in der Regierung bleiben wird, obwohl Rot und Grün nur bei einer einzigen unter Dutzenden Umfragen zusammen(!) wenigstens 30 Prozent erreicht haben, sonst aber immer unter diesem Wert gelegen sind.
Damit wird also auch nach diesem Sonntag wohl der deutsche, der europäische Jammer weitergehen. Das ist eine deutsche Tragödie, die – bedenkt man die Konsequenzen – auch an die klassischen Dramen der alten Griechen erinnert. Und ihren tragischen Ausgang.