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Kreisky und Kadar: Charakter und Politik

Auch im „Profil“ kann man bisweilen Interessantes finden. Etwa was Bruno Kreisky 1986 so alles dem ungarischen KP-Chef Janos Kadar gesagt hat. Das geht aus den jetzt aufgetauchten Mitschriften des damaligen ungarischen Dolmetschers hervor.

Kreisky zog im Gespräch mit Kadar ebenso über seine parteieigenen Nachfolger Sinowatz und Vranitzky her wie über ÖVP-Chef Mock, und erläuterte das mit vielen Insiderinformationen.

Ganz abgesehen davon, dass das gemäß dem Strafrecht eindeutig Landesverrat war (denen damals etliche andere Österreicher, übrigens auch bekannte Journalisten, wegen ganz ähnlicher Verhaltensweisen durchaus zum Opfer gefallen sind). Es ist in jedem Fall charakterlich letztklassig, als Spitzenpolitiker im Ausland so über andere österreichische Politiker herzuziehen; es war ja auch oft nur schwer verdaulich, wie Kreisky vom Inland aus alle Welt beschimpft hat. Noch letztklassiger war es, das im Gespräch mit einem Diktator zu tun, der Kadar eindeutig war, etwa auch als Schlüsselspieler bei der brutalen Niederwerfung der ungarischen Revolution 1956.

Aber da solche Sichtweisen und Fakten nicht in die sozialistisch dominierte Zeitgeschichts-Hagiographie hineinpassen, da Kreisky von der SPÖ als einziger Heiliger des 20. Jahrhunderts behandelt wird, werden sie sofort von seinen posthumen Anbetern (mangels einer seriösen Zeitgeschichtsschreibung) wieder mit intensiv geflochtener Gloriole zugedeckt werden. Und in Vergessenheit gedrängt. Wie es ja auch mit allen übrigen Charaktermängeln und politischen, insbesondere wirtschaftspolitischen Fehlern Kreiskys geschehen ist.

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