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Der Gabalier-Skandal des Wiener Konzerthausdirektors

Ich habe auf einen Aufschrei in den Medien gewartet, oder auf einen Shitstorm–- aber entweder werden die Premium-Artikel der Zeitung „Die Presse“ unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschrieben oder die Mehrheit der Leser ist schon so abgestumpft von den täglichen links moralisierenden Aussagen diverser Politiker, Medien und Kulturschaffenden, dass sie sich ein dickes Fell haben wachsen lassen und es einfach ignorieren.

Denn was jetzt Matthias Naske, der Wiener Konzerthausdirektor gesagt hat, sollte uns mehr als nervös machen. Dieser meinte sinngemäß, er würde Andreas Gabalier nicht im Konzerthaus auftreten lassen, weil ihm seine Ideologie nicht passt.

Genau sagte er der Presse Folgendes auf die Feststellung, dass der Sänger kürzlich im Goldenen Saal des Musikvereins ein Konzert gegeben hat: „Ich glaube, das war einfach ein Fehler. Wir hätten das nicht gemacht.“

Nachfrage des Interviewers: „Und wieso?“

„Weil das Signale sind. Man muss wissen, wer Gabalier ist, wofür er steht, und dann abwägen. […] Aber ich glaube, dass ein Hubert von Goisern hier sehr viel besser aufgehoben ist. Wir treffen auch gesellschafts- und kulturpolitische Aussagen, so harmlos ist das nicht. Auf der anderen Seite dienen wir auch keiner Ideologie. Wie gesagt, ich glaube, das mit Gabalier war eine Unachtsamkeit oder vielleicht auch Kalkül.“

Ich hätte Naske gerne gefragt, wofür Gabalier denn seiner Meinung nach steht. Mir ist keine gesetzeswidrige Aussage des Sängers bekannt. Wenn das so wäre, würde er wohl schon im Gefängnis seine Konzerte spielen...

Naske zaubert aber mit Hubert v. Goisern auch noch gleich einen Kandidaten aus dem Hut, der besser in „sein“ Konzerthaus passen würde. Das wird angesichts seiner vorangegangenen Aussagen kaum jemanden überraschen.

Die Unverfrorenheit dann jedoch gleich im nächsten Satz zu behaupten, dass man damit keine Ideologie verfolgt, ist eine Missachtung der Intelligenz der Leser – was ich dem werten Herrn auch genauso geschrieben habe. Ohne jedoch eine Antwort zu kommen…

Dieses Interview erinnert mich an die dunkelsten Seiten unserer Geschichte: Jemanden wegen ein paar ganz harmloser Aussagen nicht im Konzerthaus auftreten zu lassen und das ganz ungeniert auch noch zu sagen, zeigt, dass man sich gar keiner Schuld bewusst ist und das auch noch als political correct empfindet.

Das muss jeden Demokraten zutiefst irritieren – was aber noch viel mehr schockiert: Dass es auf diese Ungeheuerlichkeit keine Resonanz der Menschen gab. Auf welche Zeiten steuern wir zu....?

P.S. Man muss noch erwähnen, dass ich kein fanatischer Gabalier-Fan bin. Ich glaube, es ist zu erkennen, dass es hier im Grunde überhaupt nicht um Gabalier geht und dieser nur als Substitut für die Haltung eines Wiener Konzertdirektors steht.

Manuela Hahofer ist Journalistin und schreibt fast 30 Jahre für österreichische und deutsche Medien.

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